15.6.06

Es gibt genügend Öl!

Das Öl geht uns bald aus? Von wegen! Die Idee von der Begrenztheit der Ressourcen, wie sie von Robert Malthus erdacht und heute von Grünen weitergesponnen wird, ist falsch, denn es werden sowohl der technische Fortschritt (bei Ölförderung und Verbrauch) sowie die Preismechanismen (die Nachfrage steigt eben wegen höherer Preise nicht dauerhaft exponentiell an) ausgeblendet. Solche Horrorszenarien können nun mal nach Belieben für politische Ziele ausgenutzt werden- in diesem Falle von dem, was Maxeiner und Miersch ironischerweise den "ökologisch-industriellen Komplex" nennen.

Im Interview mit dem Spiegel meint jemand der es wissen muss, BP Chef Browne: "Wir müssen uns keine Sorgen machen. Es sind noch genug Reserven da. Heute ermöglicht uns der technische Fortschritt, aus einem Feld weitaus mehr Öl herauszuholen als früher." Ein Ölpreis von über 100 Dollar? Auf ganz lange Sicht sind für Lord Browne "sogar 25 bis 30 Dollar vorstellbar". Es wird auch nicht zu wenig in alternative Energie investiert, denn "Es gibt derzeit keinen Ersatz für Öl und Gas. Und das andere sind die alternativen Projekte, die wir für die Zukunft schaffen...man kann doch nicht sagen, entweder möchte man Öl und Gas, oder man möchte eine saubere Umwelt. Es muss einen Ausgleich zwischen beiden Seiten geben."

9 Kommentare:

Sascha Vetterle hat gesagt…

Volle Zustimmung. Als ich im Bundestag im März ein Praktikum gemacht habe, habe ich dort dasselbe erfahren, vor allem ist Öl selbst regenrativ, da es sich dabei um unter hohen Temperature konzentriertes Wasser handelt, das unter die Erdoberfläche gesickert ist.

Marco hat gesagt…

@sascha, du vergisst dabei allerdings den zeitfaktor. wenn wir also zwischendurch ein paar hundert tausend jahre zeit haben in denen wir kein öl verbrauchen, dann ja dann ist öl theoretisch keine begrenzte ressource.

ansonsten halte ich die aussage von browne für ziemlichen unsinn. und er ist nicht der erste, der auf einem solchen posten sitzt und so daneben liegt wie man nur liegen kann.

wenn es keine verknappung gibt, öl in quasi unbegrenzter menge vorhanden ist, die opec heute mehr denn je fördert und verkauft und alles immer wirtschaftlicher und effektver verbraucht wird, warum haben wir dann seit steigende ölpreise?

und jetzt komm mir bloss keiner mit künstlicher verknappung...

Oliver hat gesagt…

Marco, niemand redet von unbegrenzten Mengen! Die Vorräte sind aber riesig, die Nachfrage wird bei steigenden Preisen auch wieder abnehmen. Vor allem wird die Technik eine bessere Ölförderung sichern und den Verbrauch mindern.

Es geht aber darum, dass die Öl-Horrorszenarien irrational sein.
Denk mal an den Club of Rome, der in den 70er Jahren vorhersagte, es gäbe 2000 kein Öl mehr!

Ich glaube Brown ist übrigens bei dem Thema schon ein Experte.

Marco hat gesagt…

Oliver,

ich rede auch nicht von unbegrenzt, sondern von quasi unbegrenzt. und bei aussagen wie "wir brauchen uns keine sorgen machen" oder "mittelfristig die preise ungefähr bei 40 dollar liegen" ist "quasi unbegrenzt" eine durchaus passende beschreibung. ich konnte in seinem interview nirgendwo konkrete zahlen entdecken wann die ressourcen erschöpft sein werden, du etwa?

vielleicht sollte man auch nicht von erschöpfung reden. wie du schon sagst, wird bei einem zu hohen ölpreis die nachfrage abnehmen. aber wodurch wird der der hohe ölpreis denn verursacht? meiner meinung nach greifst du hier zu kurz. natürlich kommt mein strom aus der steckdose, aber wie kommt er vorher da hinein?

horrorszenarien sind meistens irrational. die eigentliche frage ist aber: was ist warscheinlicher: dass uns irgendwann das öl ausgeht (so teuer/knapp wird, daß es sich nicht mehr jeder für triviales leisten kann) oder dass es quasi unbegrenzt vorhanden ist und bleibt (der ölpreis sinkt mittelfristig auf durchschnittlich 40 euro und öl ist jetzt sogar regenerativ!)? welche dieser aussagen ist im kern warscheinlicher?

was brown als experte angeht: seine aussagen in diesem interview erscheinen mir wirtschaftlich motiviert. er in seiner position kann ja schlecht etwas anderes sagen oder sogar zugeben, dass das geschäftsmodell kaum zukunft hat (zugegeben: aus anderer perspektive betrachtet). das wär mal ne schlagzeile :). aber warum baut er teuren ölsand ab, wenn er für die gleichen investitionen auch billigeres öl fördern könnte? ölsand selbst lässt sich übrigens nicht für 40 dollar pro barrel rohöl gewinnbringend fördern, weswegen es erst wirtschaftlich ist wenn der ölpreis mittel/langfristig darüber liegt. jedenfalls ist das der tenor der fördernden firmen, wenn man sie auf die teure förderung von ölsand anspricht.

im übrigen bringen uns fortschrittlichere technologien für bereits verbrauchte ressourcen keinen effizienzgewinn mehr und die bessere rohstoffausbeute bei der förderung erkauft man sich durch höhere kosten. dies betrachtet, ist es für mich noch unwarscheinlicher, dass der ölpreis mittelfristig sinkt.

auf den steigenden ölpreis hast du leider noch nicht geantwortet. bei diesem riesengeschäft und einem funktionierenden markt wäre ich auf deine erklärung sehr gespannt.

zum thema expertenmeinungen empfehle ich für eine ruhige stunde auch mal ein paar zitate aus der vergangenheit. da kann man lesen, wie sehr sich auch experten irren können (oder wollen).

bitter_twisted hat gesagt…

Bei jetzigen Gebrauch reichen bekannte Resourcen etwa 175 Jahre. Es ist unwahrscheinlich das bei den jetzigen Preisen der Verbrauch auf den Niveau bleibt.

Mich eckt es an das man immer wieder die gleichen Bangemachlügen auspackt. Als 1973 die erste OPEC Kriese wütete, sagte man uns Öl würde höchstens bis zum Jahre 2000 reichen. 2000 waren die Bekannten Reserven 3x was sie in 1973 waren.

Auf €1,35 ein Liter kommt €0,91 Steuern das scheint keinen Ökofaszist zu stören. Das nicht zuletz, die künstliche Energiekriese unsere Wirtschaft lahm legt auch nicht.

Sascha Vetterle hat gesagt…

@Marco:

zum steigenden Ölpreis:

In einer Vorlesung habe ich gehört, dass die Höhe des Ölpreises vor allem psychologische Ursachen hat, weil die politische Lage in den meissten ölfördernden Ländern so unsicher ist.

Rein nach Angebot und Nachfrage würde der Öl-Preis heute bei 20 Dollar je Barrel liegen. Das sind schon andere Zahlen.

timo hat gesagt…

hört sich ja gut an, was der BP-Chef sagt, alleine der Glaube fehlt mir ein wenig.

@oliver: "die Nachfrage steigt eben wegen höherer Preise nicht dauerhaft exponentiell an" hört sich auch gut an, aber meinen Diesel und unsere Ölheizung interessiert der Ölpreis einen Scheiß, was mach ich denn jetzt? Mir auf Kosten der Allgemeinheit ein Extrem-Energiesparhaus bauen und das EEG noch schnell zur Dauersubventionierung nutzen, also Strom erzeugen und teuer verkaufen, aber für den Eigenbedarf billigen Atomstrom wählen oder einfach frieren? Das Auto umrüsten auf Frittenfett - nein, ich glaube, ich steige um aufs Fahrrad, das ist zwar bei Fahrten zum Kunden von 120 km etwas umständlich, geht aber dann nicht anders, und an der BP-Tankstelle kann ich ja den Fahradreifen-Druck wieder herstellen, solange es Idioten gibt, die noch Auto fahren und daher tanken müssen. Das könnte der Ausgleich sein, von dem dieser Herr Brown redet, ich verstehe!

Oliver Luksic hat gesagt…

Die steigenden Preise will ja auch niemand in Frage stellen, Timo. Das die ideologische Energiepolitik von Rot-Grün Energie absichtlch verteuert muss in der Tat mal erwähnt werden (EEG, KWK, Ökosteuer): und die werfen dann den bösen Multis vor, die Preise wären zu hoch...
Frittenfett ist ja vielleicht die erneuebare Alternative auf lange Sicht?! :-)

timo hat gesagt…

Wir brauchen folgendes: 1.) Umrüsten auf Frittenfett darf nur von Ein-Euro-Jobbern durchgeführt werden, die Entlohnung erfolgt staatlich subentioniert in Pommes-Gutscheinen. 2.) Wir brauchen die Friss-Dich-fett-mit-Frittenfett-Kampagne der Bundesregierung, es ist höchste Zeit, ich habe gehört, dass in Belgien schon die ersten Fritten-Buden schließen!
3.) Fritten-Fett-Tankstellen und Fritten-Fett-Sammelstellen, betrieben von Ein-Euro-Jobbern, entlohnt in Pommes-Gutscheinen.